Stefanie Köpfler-Bertels

„Die Poesie will den Geist verkörpern, die Musik das Sinnliche“
Franz Grillparzer, 1791-1872
Musik im Gottesdienst
Petruskirche Dürrwangen
Sonntag, 02. August 10.15 Uhr
Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809-1847)
Allegro moderato maestoso
Christian Friedrich Ruppe
(1753-1826)
Finale
Neu
Konzert am 16.08.

Pressebericht Dalla Porta

Liebeslieder des italienischen Frühbarocks begeisterten
Dass sich keineswegs nur sakrale Kompositionen, sondern auch Liebeslieder des italienischen Frühbarocks für ein Kirchenkonzert eignen und die Neugier der Besucher/-innen zu wecken vermag, bewies Stefanie Köpfler-Bertels, die Organistin der evangelischen Kirchengemeinde „unter dem Böllat“, mit einem besonders ansprechenden Programm, das am Sonntagabend eine erfreuliche Besucherzahl in die Dürrwanger Petruskirche lockte.
Mit den vier Berufsmusikern Stefanie Köpfler-Bertels (Orgel), Ivan Garcia (Barockgitarre und Theorbe), Kentaro Nakata (Viola da Gamba) und Elektra Papasimakis (Sopran und Blockflöte), die alle einst an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen studiert hatten, hatte sich im Chorraum der Petruskirche ein Ensemble gefunden, das sich auf die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts konzentriert und an diesem Abend ein in jeder Hinsicht bestens gelungenes Konzert gab. Die aus Athen stammende Elektra Papasimakis, die als Solistin bereits bei vielen Barock-Opern, Oratorien und Konzerten, auch in Funk und Fernsehen mitwirkte, arbeitet als Dozentin und Musiklehrerin. Der in Kolumbien geborene Ivan Garcia, der seine erste musikalische Ausbildung am Konservatorium der Universität Bogota erhalten hatte, veranstaltet seit 2017 mit seinem Ensemble „Kawllay“ Konzerte und Workshops. Kentaro Nakata hatte zunächst in seinem Heimatland Japan Musik studiert und ist heute Musiklehrer. Stefanie Köpfler-Bertels wirkte jahrzehntelang sehr erfolgreich an der Balinger Heilig-Geist-Kirche als Kirchenmusikerin, bevor sie 2019 als Organistin der Kirchengemeinde „unter dem Böllat“ die hiesige Kirchenmusik mit Elan forcierte.
Die vorgetragenen Werke von sieben Komponisten verdeutlichten sehr anschaulich, wie die italienische Barockmusik ab etwa 1600 die Liebeslyrik geradezu revolutionierte und den „Le Nuove Musiche-Stil“ (Die neuen Musiken) entwickelte, der zwei Ziele verfolgte: Zum einen tiefempfundene menschliche Emotionen instrumental und vokal zum Ausdruck zu bringen und zum anderen die zu komponierende Musik ganz am betreffenden Text zu orientieren.
Das erste Werk war die „Mascara sonata e ballata“ des 1615 im süditalienischen San Severino Lucano geborenen Gregorio Strozzi, der als promovierter Jurist und Geistlicher und als zweiter Organist an der Barockkirche Santissima Annunziata Maggiore in Neapel wirkte. Von ihm sind neben zwei weiteren Sonaten u.a. Chorwerke für die Karwoche und sein bekanntestes Werk mit 29 Stücken für Cembalo oder Orgel (1687) erhalten. Der Vortrag der vier Musizierenden machte deutlich, dass bei diesem neuen Musikstil der Ausdruck von Gefühlen ganz im Mittelpunkt steht. Die voluminöse Sopranstimme beeindruckte bereits bei diesem ersten Vortrag.
Von Giulio Romano Caccini (1551 – 1618), mit dessen Name die Entstehung der Oper verbunden ist und der als Komponist, Instrumentalist, Sänger und Gesangslehrer vor allem am glanzvollen Hof des Großherzogs Ferdinand I. von Medici in Florenz wirkte, stammte das zweite Stück: „Dalla porta d`Oriente“ – ein wunderschönes Madrigal für Solostimme und Basso continuo aus seinem 1602 veröffentlichten zweibändigen Hauptwerk „Le Nuove Musiche“), das geradezu wegweisend für diesen neuen monodischen Stil des Sologesangs mit instrumentaler Begleitung wurde. Inhaltlich geht es um das Erwachen des Morgens – als Lob für das beginnende Tageslicht. Beim Zuhören konnte man den Eindruck gewinnen, dass Elektra Papasimakis sogar Caccinis umfangreiches Vorwort zu diesem Stück sorgfältig gelesen haben dürfte. Caccini hatte darin nämlich detailliert erläutert, wie seine Werke gesungen und quasi verziert werden sollten. Dem Maestro war schließlich wichtig, den Gesang neu zu denken: Erstens sollte der Text besser verständlich werden, was durch einen einzelnen Sänger anstatt mehrerer erzielt werden sollte, und zweitens sollte der Sänger bei den Zuhörern starke Gefühle erwecken. Dies wurde auch beim dritten Stück „Amor ch`attendi“ deutlich.
Sodann verstand es Köpfler-Bertels, geradezu eindrucksvoll die „Canzona prima“ von Girolamo Alessandro Frescobaldi zu interpretieren, der einer der innovativsten und fantasievollsten Komponisten von Orgel- und Cembalo-Musik im Frühbarock wurde, was er u.a. 1607 als Organist der Kirche Santa Maria in Trastevere und ab 1608 an der Orgel des Petersdoms zu Rom und ab 1615 als Hofkomponist eines Kardinals in Mantua zu zeigen verstand. 1583 in Ferrara geboren, hatte er schon mit 17 Jahren in seinem Geburtsort die Menschen durch sein hervorragendes Orgelspiel in Erstaunen versetzt. Drei Jahrzehnte lang komponierte er weltliche und sakrale Vokalmusik ebenso wie Werke für Instrumentalensemble, wobei vor allem seine besondere Kunstfertigkeit und zugleich sein häufig sehr origineller Stil auffallen.
Bei der Komposition „Se l`aura spira“ hatte zunächst Ivan Garcia an der Theorbe, einer kurz vor 1600 entwickelten Schalenhals-Laute begonnen, und dann setzte die Sopranstimme zusammen mit dem Spiel der Viola da Gamba ein. Das Aussehen und der Klang der gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Italien entwickelten Theorbe mit ihrem zweiten Wirbelkasten am verlängerten Hals dürfte für die meisten Zuhörer/-innen eine Neuentdeckung dargestellt haben.
Biagio Marini,der seit 1615 als Violinist und Komponist nacheinander in Venedig, Brescia, Parma, Brüssel, Mailand, Venedig und Ferrara tätig war und ebenso drei Jahrzehnte am Hof hdes Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm in Düsseldorf und Neuburg an der Donau arbeitete, hatte für den Text eines unbekannten Autors das besonders originelle Stück „Le rugiade“ komponiert. Es feiert in poetischer Form die Schönheit der Natur am frühen Morgen: Der Morgentau, die auf der Wiese wie Edelsteine glitzernden Tautropfen, die Sterne, die als himmlische Bienen den Honig formen und die Natur mit Liebe und Blumen bereichern – all dies konnte im gesungenen Text und den erklungenen Tönen nachempfunden werden – einfach herrlich.
Die mit einer Theorbegespielte „Toccata“ des 1566 in Bologna geborenen Komponisten Allessandro Piccininierinnerte zugleich daran, dass dieser Musiker, der nacheinander im Dienst von Herzog Alfonso II. in Ferrara und von Kardinal Aldobrandini tätig war, nebenher neue Bauformen für Instrumente entwickelte und zum Wegbereiter des damals neuen Instruments der Theorbe wurde. Deren italienischer Lautentyp wurde von Ivan Garcia meisterhaft vermittelt.
Der als Sohn eines deutschen Adligen um 1580 in Venedig geborene Johann Hieronymus Kapsberger, der wahrscheinlich kein Deutsch sprach und sich in Rom als Giovanni Geronimo Tedesco della Tiorba rasch einen Namen als Komponist und Theorbe-Spieler machte und zu hohem Ansehen gelangte, verfasste die Sammlung „Libro Secondi di Villanelle“, aus der das bekannte Vocalstück „Avrilla mia“ sehr einfühlsam gespielt wurde.
Von dem 1587 in Rom geborenen Stefano Landi, der sich 1614 als Kapellmeister der Kirche Santa Maria della Consolazione in Rom und 1618 als Kapellmeister in Padua einen Namen schuf und dort seine erste Oper, „La morte d`Orfeo“ komponierte, stammt die berühmte, erstmals 1620 veröffentlichte Arie „Augellin“, die von einem kleinen Vögelchen handelt, das durch seinen Gesang die Klagen des Sängers über seine unglückliche Liebe zur schönen Clori zu lindern versucht. Diese Arie mit ihrem improvisatorischen Charakter und die reiche Verzierungspraxis bot den Musikern viel kreativen Freiraum. Die Sopranistin hat auch hier mit ihrer klanglichen Intensität und ihrer Strahlkraft in der Höhe und ihrem Timbre die in dem Werk enthaltenen Emotionen wunderbar zum Ausdruck gebracht. Landi, der 1620 bis zu seinem Tod 1639 für die beiden Hochadelsfamilien Borghese und Barberini in Rom Arien, Kantaten, Messen und zwei Opern schrieb, hätte an dem Vortrag der Sopranistin sicher seine Freude gehabt.
Erneut zu begeistern gelang Köpfler-Bertels mit „5 Gagliarde“, nämlich Frescobaldis berühmten Tastenwerken für Orgel oder Cembalo von 1627. Mit diesen typischerweise im lebhaften Dreiertakt geschriebenen Kompositionen aus festen Abschnitten mit Wiederholungen, die durch kunstvolle Verzierungen und rhythmische Verschiebungen variiert werden, versetzte die Organistin die Zuhörer in eine besondereKlangwelt einstiger höfischer Tänze.
Den krönenden Abschluss bildete Frescobaldis bekanntem Lied „Cosi di disprezziate“, als nochmals Orgel, Theorbe, Viola da Gamba und die Sopranstimme zum Einsatz gelangten und dabei erneut deutlich wurde, dass dieser Komponist für Vokal- und Tastenmusik mit bis ins Detail fein ausgearbeiteten Werken seine höchstrangigen Auftraggeber zu überzeugen wusste. Alle vier Musizierenden hatten mit künstlerisch wie instrumentaltechnisch hervorragendem Spiel dem Publikum bewiesen, wie ausdrucksstark und emotional der italienische Barockstil klingt. Dass der Schlussapplaus des begeisterten Publikums langanhaltend und lautstark erfolgte, überraschte nicht.
Konzerte 2026
Stadtkirche Balingen
Sonntag, 16.08.2026, 18:00 Uhr
Orgel plus Cembalo
Ursula Vinzenz, Orgel
Stefanie Köpfler-Bertels, Orgel
Petruskirche Dürrwangen
Sonntag, 25.10.2026, 18:00 Uhr
Matti Münch, Saxophon
Uta Münch, Harfe,
Stefanie Köpfler-Bertels, Orgel
Ein crossover mit Stücken von Bach, Fauré, Piazolla u.a.
„Das Kleine Konzert“
Samstag, 14.11.2026, 18:00 Uhr
Martin-Luther-Kirche Konstanz


Vita
Bildung
- Geboren 1963 in Wetzlar
- Erster Klavierunterricht im Alter von 5 Jahren
- Kirchenmusik Studium
- Musiklehrenden-Diplom mit künstlerischem Abschluss in Orgel
- Kontaktstudium in Cembalo
Berufserfahrung
- 30 Jahre Tätigkeit als Kirchenmusikerin an der Heilig-Geist-Kirche Balingen
- Gründung und Leitung mehrerer Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre
Aktuelle Tätigkeiten
- Seit 2018 freischaffend als Komponistin, Pianistin und Organistin
- Seit 2019 Organistin der evangelischen Kirchengemeinde Unter dem Böllat
Galerie












